KI-Telefonassistenten sind rechtlich kein Neuland mehr — es gibt inzwischen klare Leitlinien und erste Präzedenzfälle. Trotzdem sehen wir immer wieder Unternehmen, die sie ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen einsetzen. Dieser Artikel gibt Ihnen alles, was Sie rechtlich wissen müssen.
Die rechtliche Grundlage: Was gilt bei KI-Telefonaten?
Drei Rechtsbereiche sind relevant: § 201 StGB (Vertraulichkeit des gesprochenen Worts), DSGVO (Verarbeitung personenbezogener Daten), und EU AI Act (Transparenzpflichten bei KI-Kommunikationssystemen). Das Zusammenspiel dieser drei Bereiche definiert, was erlaubt ist — und was nicht.
§ 201 StGB: Das oft vergessene Risiko
Das Heimlich-Aufnehmen von Gesprächen ohne Kenntnis aller Beteiligten ist in Deutschland strafbar. Das gilt auch für KI-Systeme. Die Lösung: Zu Beginn jedes Gesprächs muss ein deutlicher Hinweis erfolgen, dass das Gespräch KI-unterstützt verarbeitet wird. Dieser Hinweis ist kein optionales Nice-to-Have — er ist rechtliche Pflicht.
DSGVO bei KI-Telefonaten: Die fünf Pflichten
Stimmen und personenbezogene Informationen aus Telefonaten sind Personendaten nach DSGVO. Das bedeutet: Informationspflicht, Zweckbindung, Speicherbegrenzung, Datensicherheit und Betroffenenrechte müssen gewährleistet sein.
Wie Sie die DSGVO-Pflichten praktisch umsetzen
Ansagetext zu Beginn jedes Gesprächs (Pflicht). Klare maximale Speicherdauer für Gesprächsdaten (Empfehlung: 30–90 Tage). Löschprozess dokumentieren. Auskunftsfähigkeit bei DSGVO-Anfragen sicherstellen. AVV mit dem Telefonassistenten-Anbieter abschließen — vor dem Go-live, nicht danach.
Häufig gestellte Fragen
Reicht ein kurzer Hinweis zu Beginn des Gesprächs?
Als Mindestanforderung: ja. Empfohlen ist ein klarer Hinweis wie: 'Sie sprechen mit unserem KI-Assistenten. Ihr Anliegen wird digital verarbeitet. Drücken Sie die 1, wenn Sie direkt mit einem Mitarbeiter sprechen möchten.'
Was passiert bei einem DSGVO-Verstoß durch meinen KI-Telefonassistenten?
Mögliche Konsequenzen: Abmahnung durch Wettbewerber, Bußgeld durch Datenschutzbehörde (bis 4 % Jahresumsatz), Unterlassungsklage. Das Risiko steigt, wenn keine dokumentierten Maßnahmen vorhanden sind.

